Infrarotheizung: Mehr Watt, weniger Verbrauch?
Share
Infrarotheizung Stromverbrauch: Warum mehr Watt nicht automatisch mehr Verbrauch bedeutet
Wer sich mit Infrarotheizungen beschäftigt, vergleicht häufig zuerst die Wattzahlen. Dabei entsteht schnell der Eindruck:
Je mehr Watt eine Infrarotheizung hat, desto höher muss auch ihr Stromverbrauch sein.
Das klingt zunächst logisch. Für den tatsächlichen Energieverbrauch ist die Wattzahl allein jedoch nicht entscheidend. Ebenso wichtig ist die Frage:
Wie lange bezieht die Heizung diese Leistung tatsächlich aus dem Stromnetz?
Gerade bei einer richtig geplanten und thermostatgeregelten Infrarotheizung macht dieser Unterschied viel aus.
24 Stunden angenehme Raumtemperatur bedeuten nicht 24 Stunden Stromverbrauch
Eine Infrarotheizung muss nicht permanent eingeschaltet sein, um eine gewünschte Raumtemperatur zu halten.
Das Raumthermostat überwacht die Temperatur und schaltet die Heizung je nach Wärmebedarf ein und wieder aus. Ist die gewünschte Temperatur erreicht, wird die Stromzufuhr unterbrochen. Erst wenn wieder Wärme benötigt wird, schaltet die Heizung erneut ein.
Die Heizung kann also den ganzen Tag für eine angenehme Raumtemperatur sorgen, ohne den ganzen Tag Strom zu beziehen.
Faustformel für den Stromverbrauch einer Infrarotheizung
Für eine überschlägige Berechnung des Jahresverbrauchs einer gut geplanten Standard-Infrarotheizung verwenden wir folgende Faustformel:
Installierte Leistung × ca. 4 tatsächliche Einschaltstunden pro Tag × ca. 200 Heiztage
Ein einfaches Beispiel:
Eine Infrarotheizung mit 1.000 Watt beziehungsweise 1 kW:
1 kW × 4 Stunden × 200 Heiztage = ca. 800 kWh pro Heizsaison
Wichtig dabei:
Die vier Stunden sind keine vier zusammenhängenden Heizstunden.
Es handelt sich um die über den Tag aufsummierte Zeit, während der die Infrarotheizung tatsächlich eingeschaltet ist und Strom bezieht. Die gewünschte Raumtemperatur wird über das Thermostat trotzdem über den gesamten gewünschten Zeitraum gehalten.
Die tatsächliche Einschaltdauer kann selbstverständlich abweichen. Dämmstandard, Außentemperatur, gewünschte Raumtemperatur, Nutzung des Raumes und insbesondere die richtige Dimensionierung der Infrarotheizung spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Was macht eine Thermodynamic-Infrarotheizung anders?
Besonders interessant wird die Betrachtung des Stromverbrauchs bei der Thermodynamic-Technologie von PS-europe.
Hier geht es nicht darum, eine möglichst niedrige Wattzahl auf das Typenschild zu schreiben. Die Heizung soll vielmehr ihre benötigte Arbeitstemperatur schnell erreichen und anschließend entsprechend geregelt werden.
Die Oberflächentemperatur der Thermodynamic kann elektronisch zwischen 85 und 110 °C eingestellt werden.
Zusätzlich arbeitet die Thermodynamic mit einem Speicherkern. Dieser ermöglicht es, gespeicherte Wärme auch dann weiterhin abzugeben, wenn gerade kein Strom bezogen wird.
Vereinfacht dargestellt funktioniert das Prinzip so:
Aufheizen → Arbeitstemperatur erreichen → Stromzufuhr unterbrechen → gespeicherte Wärme weiterhin abgeben → bei Bedarf wieder kurz nachheizen
Damit entstehen innerhalb des Heizbetriebs immer wieder stromlose Heizphasen.
Was bringen diese stromlosen Heizphasen?
PS-europe hat dieses Prinzip in einem Langzeittest mit einer Thermodynamic ECO 7+ mit 700 Watt Nennleistung untersucht.
Der Test wurde bei einer Raumtemperatur von 20 °C durchgeführt. Die Aufheizzeit betrug lediglich 11 Minuten und 40 Sekunden.
Anschließend wurde über einen Zeitraum von knapp 28 Stunden gemessen.
Das Ergebnis:
Effektive Heizzeit mit Strom: ca. 18 Stunden 53 Minuten
Stromlose Zeit: ca. 9 Stunden 4 Minuten
Nennleistung: 700 Watt
Rechnerischer effektiver Leistungsbezug: 506,62 Watt.
Die Heizung war während des Testzeitraums somit über neun Stunden ohne Stromzufuhr.
Trotzdem konnte während dieser Phasen weiterhin Wärme abgegeben werden.
Im Test rund 32 % weniger gegenüber der Nennleistung
Aus den Messwerten errechnete PS-europe eine Reduktion von 32,45 % gegenüber einem angenommenen Dauerbetrieb mit der Nennleistung von 700 Watt.
Für eine angenommene Heizsaison mit 1.800 Stunden wurde im Testbericht folgende Rechnung durchgeführt:
700 Watt × 1.800 Stunden = 1.260 kWh
Der hochgerechnete Verbrauch mit der Thermodynamic-Regelung betrug:
911,91 kWh
Die Differenz:
348,09 kWh pro Heizsaison.
Bedeutet das automatisch 32 % weniger Stromkosten?
Nein.
Die im Test ermittelten 32,45 % sind keine pauschale Einspargarantie für jedes Gebäude und jeden Anwendungsfall.
Es handelt sich um das Ergebnis eines konkreten Langzeittests unter festgelegten Bedingungen. Der tatsächliche Energieverbrauch einer Infrarotheizung hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise:
- Dämmung und energetischer Zustand des Gebäudes
- Raumgröße und Raumhöhe
- Außentemperatur
- gewünschte Raumtemperatur
- Lage des Raumes
- Montageposition der Heizung
- Nutzungsverhalten
- richtige Dimensionierung und Regelung
Der Test zeigt aber sehr anschaulich einen entscheidenden Punkt:
Die Wattzahl auf dem Typenschild allein sagt noch nicht aus, wie viel Strom eine Infrarotheizung während einer Heizsaison tatsächlich verbraucht.
Warum eine zu kleine Infrarotheizung nicht automatisch sparsamer ist
Genau deshalb halten wir wenig davon, eine Infrarotheizung möglichst klein zu dimensionieren, nur um eine niedrige Wattzahl zu erreichen.
Eine zu schwach dimensionierte Heizung benötigt entsprechend länger, um den notwendigen Wärmeeintrag in den Raum zu bringen – oder erreicht bei ungünstigen Bedingungen die gewünschte Raumtemperatur möglicherweise gar nicht ausreichend.
Entscheidend ist deshalb nicht:
„Wie wenig Watt kann ich installieren?“
Sondern:
„Welche Leistung benötigt dieser Raum, damit die Heizung effizient arbeiten und die gewünschte Temperatur zuverlässig halten kann?“
Was bedeutet das für meine Stromkosten?
Ein seriöser Vergleich sollte deshalb nicht nur zwei Wattzahlen gegenüberstellen.
Entscheidend sind der tatsächliche Wärmebedarf des Raumes, die passende Heizleistung und die Regelung.
Bei einer Standard-Infrarotheizung kann die Faustformel
Leistung × 4 Einschaltstunden × 200 Heiztage
eine erste Orientierung geben.
Bei Technologien wie Thermodynamic kommen zusätzlich die beschriebenen stromlosen Heizphasen ins Spiel.
Deshalb sollte eine Verbrauchsberechnung immer auf der konkreten Raumsituation basieren und nicht ausschließlich auf der Nennleistung eines Heizkörpers.
Unser Fazit
Mehr Watt bedeutet nicht automatisch mehr Stromverbrauch.
Eine ausreichend dimensionierte Infrarotheizung kann schneller die benötigte Wärme bereitstellen und anschließend über das Thermostat geregelt werden.
Bei der Thermodynamic-Technologie kommt hinzu, dass gespeicherte Wärme auch während stromloser Phasen weiterhin abgegeben werden kann. Der Langzeittest von PS-europe zeigt diesen Effekt mit einer gemessenen stromlosen Zeit von rund neun Stunden innerhalb des knapp 28-stündigen Testzeitraums.
Deshalb betrachten wir bei einer Heizungsplanung nicht nur die Wattzahl.
Wir betrachten den Raum, seinen Wärmebedarf und die tatsächlich benötigte Energiemenge.
Denn am Ende zählt nicht, was auf dem Typenschild steht.
Entscheidend ist, wie viele Kilowattstunden tatsächlich aus der Steckdose kommen.